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Die Zukunft pflanzen

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther einst gesagt haben. Das Zitat ist nicht belegt, doch es zeigt: Der Apfel ist eine der am stärksten mit Symbolik beladenen Gartenfrüchte. Seit der Antike sind Äpfel wichtige und vielseitige Nahrungsmittel, Symbol für Weisheit, Vollkommenheit, Schönheit, Glück und nicht zuletzt für die Liebe. Wer heute einen alten Apfelbaum in seinem Garten hat oder gar eine Streuobstwiese hinter dem Haus, kann sich glücklich schätzen. Wer nicht – möchte es vielleicht Luther gleichtun.

Kleiner Wuchs, große Frucht

Auch wenn der neu gepflanzte Apfelbaum eher eine Anzahlung auf die Ernte der folgenden Generation ist – es lohnt sich. Und weil längst nicht mehr in jedem Garten Platz für ein raumfüllendes Exemplar ist, gibt es inzwischen sogar schon solche, die auf einem Balkon gedeihen und im Zweifelsfall auch mit dem Gärtner umziehen. Oder auch für einen kleinen Garten gut geeignet sind.
Zwergsorten gibt es mittlerweile nicht nur bei Äpfeln, sondern auch bei Kirschen, Pfirsichen, Nektarinen oder Birnen. Die Zwergbirne „Helenchen“ beispielsweise wird maximal 1,80 Meter hoch und bringt normal große Birnen hervor, so wie auch andere Spalier- oder Zwergbirnen nicht ausladend groß werden, aber normalgroße Früchte tragen. Grund für den geringen Wuchs ist die Veredelung auf einer schwach wachsenden Unter­la­ge – diese gibt vor, ob aus einem Obstbaum ein Zwerg oder ein Riese wird.
Auf dem Balkon oder im kleinen Garten gelten allerdings für den Obstanbau die gleichen Bedingungen wie in einem großen Garten. So brauchen Äpfel und Birnen einen Befruchter, sonst wird es nichts mit der Balkonernte. Und sie stellen besondere Ansprüche an die Region und das Kleinklima.

Wetter und Kleinklima

Das regionale Klima schränkt den Obstanbau zumindest in Teilen ein – man sollte also unbedingt auf regional angepasste Sorten achten. Zu den wärmebedürftigen Obstsorten gehören beispielsweise Birne, Pfirsich, Nektarine, Aprikose, Quitte, Walnuss und Weinreben. Auch weniger empfindliche Arten reagieren möglicherweise auf Mikroklimazonen – Kaltluftschneisen oder -seen etwa, durch die der Wind pfeift oder in denen sich kaltfeuchte Luft verfängt. Auch vollsonnige, südliche Lagen können Obstgehölzen zum Verhängnis werden: Im Sommer muss dann die Wasserversorgung ausreichen; im zeitigen Frühjahr taut die pralle Sonne womöglich Rinde und Holz auf, was zu Frostrissen führen kann. Die Sonne kann zudem die Blüte verfrühen, was eher zu Schäden durch Spätfrost führt. Am besten stehen Obstbäume deshalb in Südost- oder Südwestlage, gegebenenfalls vor Wind durch eine Hecke geschützt.

Sorten und Schnitte

Die passenden Obstsorten für den eigenen Garten auszuwählen, ist also eine Sache von Platz und Klima – und auch ein durchdachter Ernteplan kann nicht schaden. So verhüten Sie Obstschwemmen in kurzen Zeiträumen – zu schade, wenn die frischen Früchte in Einmachgläsern und der Tiefkühltruhe verschwinden. Ein gelungener Wechsel zwischen frühen, mittleren und späten Sorten verlängert die Erntefreude und die Versorgung mit frischen Vitaminen. Ein wichtiger Faktor im Obstanbau ist auch der Schnitt der Pflanzen: Es verlangt schon etwas Übung, Apfel, Birne oder Zwetschge richtig zu erziehen, bei Pilz- oder Moniliabefall im richtigen Moment einzugreifen oder dafür zu sorgen, dass Beerensträucher nicht vergreisen. Hier lohnt es sich, sich (im Winter) mit entsprechender Literatur zu versorgen oder sich bei Fachleuten Rat zu holen. Was auf den ersten Blick vielleicht abschreckt, eine eigene Obstplantage anzulegen, kann aber auch zum Gestaltungselement gereichen: Ein schöner Apfel- oder Kirschbaum hat das Zeug zum veritablen Hausbaum – und in einem kleinen Garten kann er vielleicht sogar ein Gemeinschaftsprojekt mit den Nachbarn sein – schließlich wirft ein großer Baum genug Früchte für zwei Familien ab. Beerensträucher lassen sich gut zu einer Hecke erziehen oder sind als Hochstämmchen absolut ziergartentauglich – und wer Spaliere mag, kann mit akkurat gezogenen Obstbäumen Hauswände beleben oder raumteilende Elemente in den Garten bringen.

Exoten aus Weinbauregionen

Manche exotische Obstsorte gedeiht auch hierzulande in mildem Klima, manche ist beinahe vergessen. Spezialisten bringen Arten wie die Mispel (Mespilus germanica) oder die Schwarze Maulbeere (Morus nigra) zurück in unsere Gärten. Zu Unrecht gelten Kiwis als kälteempfindlich: Es gibt spezielle robuste Sorten, die aus der „sibirischen Kälte“ stammen, und auch in den nördlichen Regionen Schwedens ist auf Höhen bis zu 1.000 Metern der Kiwianbau nicht ungewöhnlich. Die europäischen Sorten sind allerdings kleiner und unbehaart, dafür aber äußerst aromatisch. Auch hier ist die Wahl der Sorte entscheidend für den Ertrag, denn nur wenige Kiwisorten sind Selbstbefruchter. Wer nicht gerade hektoliterweise Wein keltern will, kann sich auch in raueren Gegenden an den Anbau von Weintrauben wagen. An der windgeschützten Südseite eines Hauses können die winterharten Reben wunderbar gedeihen. ←